Ein Steigenberger-Hotel und ein Hummermedaillon

Normalerweise würde ich nicht über zwei Gänge in einem Hotel berichten, das ich mehr oder weniger zufällig angesteuert habe. Im Falle des „Steigenberger Hotel Metropolitan“ in Frankfurt muss ich aber einmal eine Ausnahme machen. Das Ereignis ist einfach unschön. Es war an einem Samstagnachmittag vor einem Auftritt in der Frankfurter Genussakademie. Ich gehe üblicherweise in solchen Fällen nachmittags noch kurz in ein Restaurant, in Frankfurt zu einem Italiener in der Nähe. Dort war aber gerade ein Anstreicher bei Renovierungsarbeiten und so fiel mir nur noch ein, in das Steigenberger um die Ecke zu gehen – ein wenig in der traditionellen Erwartung, dass es in der Brasserie eines 5-Sterne-Hotels wohl irgendeine Kleinigkeit zu essen gibt.

Das war auch so, allerdings war ich (um 15 Uhr) der einzige Gast und der Service räumte zwischendurch auf. Ich habe gefragt, ob es etwas zu essen gibt und bekam die Antwort, dass man in der Brasserie ab 12 Uhr geöffnet habe und ich selbstverständlich etwas bekommen könne. Ich habe dann zwei Vorspeisen bestellt, und zwar eine Hummersuppe mit Hummermedaillon und einen angebratenen Thunfisch mit Süßkartoffelsalat, Ponzu-Sauce und Shiso-Kresse.

Der Thunfisch-Teller entsprach so in etwa dem, was man erwarten darf, wenn es nicht um größere kulinarische Heldentaten geht. Der etwas anspruchsvolle Titel wurde allerdings nicht wirklich eingelöst. Es gab belanglose Thunfischstücke mit einer Sauce im Glas und im Grunde einem gemischten Salat, in dem weder die Süßkartoffeln noch die Ponzu-Sauce so große Spuren hinterlassen hätten, dass man sie erwähnen müsste. Aber – wie man so schön sagt: es war essbar, kein Problem, wenn auch für 19 Euro nicht gerade billig.

Die Hummersuppe mit Hummermedaillon brachte aber eine so ausfallend schwache Qualität und eine Art Trickserei mit dem Produkt, dass ich das hier doch berichten möchte. Serviert wurde also eine kleine Suppenschüssel mit einer Suppe, die ich in einer Blindverkostung wohl kaum als Hummersuppe erkennen würde. Die Farbe war sehr blass rosa, und der Geschmack hatte nur ganz in der Ferne einen Hauch von Krustentier-Aroma. Sie war sozusagen genau das Gegenteil der Hummersuppe bei Paul Bocuse – wenn Sie wissen, was ich meine. In einer kleinen Schüssel daneben vermutete ich das zugehörige Hummermedaillon. Was tatsächlich serviert wurde, waren zwei kleine Scherenspitzen, also eigentlich ein anderes Produkt, weil die Medaillons doch ein klar definiertes, in der Regel als hochwertig geltendes Produkt sind, die Scheren auch, aber die Scherenspitzen eher weniger. Damit nicht genug. Ich probierte und bekam regelrecht einen Schreck, weil ich diese dichte, trockene, salzige Konsistenz nur von Tiefkühlhummern kenne. Bei einem frischen Hummer von guter Qualität sind auch die Scherenspitzen gut zu essen, sie sind ähnlich mild und typisch, wie andere Hummerteile auch. Bei TK-Hummern aber habe ich noch in allen Fällen exakt diese unerfreuliche Textur und diesen unerfreulich salzigen Geschmack angetroffen.

So etwas zu servieren, ist in meinen Augen schlicht eine Veralberung des Gastes und dazu eine von einiger Dreistigkeit. Statt des genannten Produktes wird etwas völlig Anderes, erheblich Minderwertigeres serviert, und das ohne Entschuldigung und natürlich auch ohne Abschlag beim Preis. Und das in einem Haus der Steigenberger-Kette, die ein paar Kilometer entfernt in ihrem „Frankfurter Hof“ einen ausgezeichneten Koch beschäftigt. Es muss verwundern, dass heutzutage solche Dinge in der gehobenen Gastronomie überhaupt noch möglich sind. Dass die junge Dame vom Service das Ganze auch noch in einer gönnerhaften Art so präsentiert, als müsse man froh sein, um diese Zeit überhaupt etwas serviert zu bekommen, kommt noch dazu.

Nochmals: solche TK-Scherenspitzen schmecken wirklich nicht gut und haben mit einem guten Hummermedaillon keinerlei Ähnlichkeit.

3 thoughts on “Ein Steigenberger-Hotel und ein Hummermedaillon

  1. Obwohl Ultraschall box,das muss wirklich nicht sein,dass hat auch nichts mit genussvollen genießen zutun,da muss ich dem vorschreiber recht geben,es wird sich aufgeregt über Fleisch zu Discounter Preisen und deren Tierhaltung,und im Gegenzug werden bedrohte hummer mit Genuss verspeist…..ist das berechtigt weil der hummer einen gewissen Preis hat?

  2. Lieber Peter Dribbel – habe gerade Deinen Kommentar gelesen. Ich habe mich mit dem Thema Hummer und Schalentiere sehr beschäftigt und in der Tat: Wenn man Hummer unsachgemäß tötet, dann ist das eine Qual. Mittlerweile gibt es aber sogenannte „Schall-Hummer“ – also Hummer die noch auf dem Fangboot in einer Ultraschallbox das Zeitliche segnen. Da wir Menschen, an der Spitze der Nahrungskette, so ziemlich alles essen was uns unter die Finger kommt – sehe ich das genauso: Wir haben Verantwortung – und wenn wir genießen wollen sollten wir das verantwortungsvoll tun. So wie ich Herrn Dollase kenne, sieht er das genau so. Daher finde ich Ihren Kommentar wenig freundlich, denn gerade Herr Dollase steht für verantwortungsvollen Genuss. Alles klar? – Gruß Paul

  3. Es ist eine Dreistigkeit und eine bodenlose Frechheit hummer überhaupt zu Essen,sie möchten gerne frischen hummer verspeisen?überbrühen sie sich doch selbst Herr dollase.

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