Gölles und Ralf Bos

Für gute Brände muss der Brenner brennen

Gölles EssigDie frühe Geschichte von Bos Food ist untrennbar mit der Geschichte von Alois Gölles verbunden. Schon sehr früh, in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, konnten wir uns von der unvergleichlich hohen Qualität seiner Essigprodukte überzeugen, die noch heute das Kernsortiment unseres Qualitätsessig-Programms ausmachen. Seine Essige sind oft lange Jahre fassgelagert und erreichen dadurch eine Milde und eine Komplexität, die in der Branche einzigartig ist.

Der Grundstein zu seiner hohen Qualität ist natürlich das Obst, aus dem seine Produkte hergestellt werden. In seinem Heimatland Österreich gilt die Steiermark als Premiumregion für wirklich gutes Obst. Die Landwirtschaft, die Alois Gölles betreibt liegt – genau wie seine Essigmanufaktur und seine Schnapsbrennerei – mitten im Zentrum dieser Region. Die Landwirtschaft hat sich auf hochwertige und oft seltene Früchte konzentriert, die sowohl beim Brennen als auch bei der Essigherstellung eine solide Grundlage bilden. Das Obst wird bis zum Höhepunkt seiner Reife am Baum oder Strauch gelassen, um es dann nach der Ernte extrem (um nicht zu sagen: fanatisch) zu selektieren. Tagfrische Verarbeitung sichert höchstes Aroma, sowohl beim Brand als auch beim Essig. Nachdem wir uns in seinen Essig verliebt hatten, konnte uns Alois sehr schnell auch von seinen Bränden überzeugen. Alois ist ein Mensch von sanftem Charakter und leisen Tönen, der gerne das Produkt für sich sprechen lässt.

Hans ReisetbauerGanz das Gegenteil von ihm ist Hans Reisetbauer, ein Produktfachmann, wie er im Buche steht. Mit einer Unmenge Fachwissen und einer nicht versiegenden Neugierde schaffte er es, sich zum größten Fachmann in Sachen Spirituosen, aber auch angrenzender Wissensgebiete, wie Wein und Schaumwein, Fruchtsäfte und kulinarische Themen im Allgemeinen zu entwickeln. Niemand auf der Welt spricht Hans Reisetbauer diese enorme Sachkompetenz ab, und sollte es jemand versuchen, dann würde er ihn schnell kennenlernen. Laut und furchtlos stellt er sich jeder Diskussion, um hinterher definitiv als rhetorischer und fachlicher Sieger aus der Debatte zu gehen. Es gibt nicht viele Menschen auf diesem Planeten denen ich das zugestehe, aber ich glaube in kulinarischen Dingen weiß der Hans einfach mehr als ich. So ist es nicht verwunderlich, dass auch er sehr, sehr früh eingeladen wurde, sich und seine Produkte in unserem Feinkostuniversum zu vertreten.

Die Heimat von Hans Reisetbauer ist die Gegend um Linz in Niederösterreich. Die Art und Weise wie er an seine Kernkompetenz, die edlen Brände, herangeht, unterscheidet sich dabei kaum von der von Alois Gölles. In eigener Landwirtschaft wird Obst von höchster Güte gezogen, um es dann nach fanatischer Selektion in die allerbesten Brände zu verwandeln. Man muss sich die beiden Brenner einmal vorstellen: Der eine ruhig und sanft, jedoch immer zielstrebig auf dem Weg, die besten Brände der Welt zu produzieren, der andere laut und polternd, aber zu 100% sicher, diese besten Brände schon in seinen Flaschen zu haben. Eigentlich müssten sie sich beim Kampf um die Krone spinnefeind sein. Aber – weit gefehlt. Sie sind Freunde, und sie haben sogar ein gemeinsames Projekt, dass erreichen soll, auch jüngeren Menschen und dem weiblichen Geschlecht, dem hochprozentige Brände oft zu kräftig Reisetbauersind, den wunderbaren Geschmack destillierter Früchte näher zu bringen. Bei diesem Projekt werden Brände mit über 40% Alkoholgehalt auf etwa 25% Alkohol herunter verschnitten, ohne sie zu verwässern. Das ist ziemlich trickreich und erfordert die ganze Sachkenntnis dieser beiden vielleicht besten Brenner der Welt.

Zu ihren Erfolgen sind neben den bereits erwähnten Essigen und Bränden auch noch viele weitere Meilensteine aufzuzählen. So kann Alois Gölles auf eine Solera-Batterie zurückgreifen, die bereits vor über 25 Jahren gestartet wurde, um Apfelessig in feinsten Aceto Balsamico aus Äpfeln zu verwandeln, der den Qualitäten des echten Aceto Balsamico traditionale sowohl in der Herstellungsart als auch geschmacklich in nichts nachsteht. Hans Reisetbauer hat sich hingegen den Ruf erarbeitet, mit der Erfindung seines „Blue Gin“ ein solch revolutionäres Produkt geschaffen zu haben, dass man ihn, vermutlich mit Recht, als Initiator des noch heute andauernden Gin Booms bezeichnet.

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen, aber wichtiger ist es hier festzustellen, dass Hans und Alois vermutlich die zwei besten Brenner auf diesem Planeten sind und dass wir das Privileg haben und hatten, einen sehr langen Weg mit ihnen zusammen gegangen zu sein.

Heute genieße ich es, in Alois Gölles’ Genusshotel zu sitzen und mich über den Blick auf die Riegelsburg zu freuen, um dann am Abend mit ihm entspannt eine Flasche Rotwein bei einem hervorragendem steirischen Dinner zu degustieren und mit ihm über die wichtigen und unwichtigen Sachen dieser Welt zu philosophieren. Gleichermaßen liebe ich es, mit Hans Reisetbauer an einem einzigen Tag in drei verschiedenen Spitzenrestaurants in Niederösterreich und der Wachau zu essen, die besten Winzer zu besuchen und mit über 200 Sachen von einem Termin zum nächsten zu knallen. Jeder, der Hans kennt, wird wissen, was ich meine.

Sollte sie ihr Weg einmal nach Niederösterreich oder in die Steiermark führen, sollten sie diese beiden Urgesteine dieser Regionen unbedingt besuchen und sich in eine ganz andere Welt höchsten Genusses entführen lassen. Ein Eindruck, den man nicht so schnell vergisst.

 

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