Oliver Sebel zum 60. Geburtstag

Heute feiert einer der wunderbarsten kulinarischen Zeichner seinen 60. Geburtstag. Oliver Sebel hat viele Jahre lang meine FAZ-Geschmackssache illustriert, und das in einer unnachahmlichen Weise, die weit mehr ist, als nur einfach Zeichnungen mit kulinarischem Inhalt. Mit seinem sofort erkennbaren Strich, den er übrigens mit großer Sicherheit und notfalls auch aus dem Stegreif abrufen kann, schafft er ein eigenes, zeichnerisches Universum, in dem die Dinge immer transzendiert werden. Mal gibt es eher heitere Auflösungen, mal solche mit einem leicht ironischen Anflug, gerne mit Überhöhungen von der Art, die selbstironisch wirken, mal mit einer wunderbaren Kritik an unserem Verhalten rund ums Essen, die uns in heiterer Weise erkennen lässt, dass wir ziemlich häufig da so unsere Schwierigkeiten haben. Der essende Spießer kommt vor, wird aber nie verletzend dargestellt, aber auch der Gourmet, den man nicht so ganz ernst nimmt (und der sich selber nicht so ganz ernst nehmen sollte), und immer wieder eine wahrlich belebte Tierwelt, die Oliver Sebel so darstellt, als ob er Frieden zwischen den Tieren und den sie essenden Menschen schließen wolle.

Ich war jedes Mal auf die Zeichnungen höchst gespannt, weil ich wusste, dass sie meinen Texten gerne noch einmal eine spezifische Wendung geben. Wenn ich einmal ein besonders trockenes Thema mit allerlei theoretischen Überlegungen hatte, konnte ich sicher sein, dass die Illustration einen Hauch Leichtigkeit des Seins bringen würde. Wenn der Text leichter oder amüsanter war, spielte Oliver mit und brachte zusätzlichen Witz, und wenn er dann mich selber „bei der Arbeit“ zeichnete, machte er das immer voller entspanntem Verständnis und Interesse für die wundersame Welt der kulinarischen Tief-Betrachtung. Es interessiert ihn, als Esser, aber vor allem eben auch als Illustrator, und wie er mir erzählte, fand er in den Texten auch immer genug Bilder, um jede Folge zeichnerisch zu personalisieren, eine Einheit zwischen Bild und Text zu schaffen, die spezifisch ist.

Wir sind im Laufe der Jahre sehr enge Freunde geworden und ich darf sagen, dass Oliver Sebel mit seiner Arbeit identisch ist. Die friedlich-freundliche Sicht auf die Dinge, die gleichwohl vielschichtig ist und uns auf eine oft genug berührende Weise Zusammenhänge so erklärt, dass sie sich vor einem im Grunde immer positiven Hintergrund zu entwickeln scheinen, ist auch typisch für seinen Blick auf die Welt. Wenn er sich aufregt, ist das milde, selbst wenn die Sprache einmal kräftiger wird. Er ist wie seine Zeichnungen, immer auch voll von tiefgründigem Humor, sozusagen.

Wir haben mittlerweile eine ganze Anzahl seiner Originale und auch Originale, die wir direkt von ihm bekommen haben, Zeichnungen zu Festtagen oder solche in den Poesiealben unserer Hunde (Sie wissen nicht, was das ist? Eine sensationelle Sammlung von Koch-Autogrammen und -texten). Ich besitze sogar eine Reihe von guten Weinflaschen mit von ihm gezeichneten, personalisierten Etiketten.

Ein Großer seiner Zunft wird 60. Wir gratulieren ganz herzlich und wünschen alles erdenkbar Gute.

Anbei Illustrationen für die FAZ – Geschmackssache.

Oliver Sebel

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