Ralf Bos macht sich Gedanken über die richtige Ernährung

Ja was denn nun, vegetarisch, vegan oder flexitarisch?

Die Diskussion ist voll im Gange. Genuss, Preiswürdigkeit, Gesundheit und Tierwohl stehen immer im starken Widerspruch. Der Preis ist im Augenblick noch die alles dominierende Macht, nach dem wohl 90% aller Lebensmittel gekauft werden. Die Gedanken über Gesundheit und Tierwohl knapsen aber mehr und mehr von dieser unüberwindlich scheinenden Mauer ab. Die Anzahl der Vegetarier steigt ständig, was auch nicht erstaunlich ist. Denn jeder, der sich intensiver mit Ernährung beschäftigt, findet früher oder später raus, dass es sich bei dieser Art von Ernährung um die gesündeste, schmackhafteste und gleichzeitig preiswürdigste handelt.

Die vegetarische Kochkunst
In kaum einer anderen Ernährungsform hat man so viele Möglichkeiten schmackhaft zu kochen und neue, abenteuerliche Geschmäcker zu entdecken. Wirklich frische Gemüse vom Wochenmarkt oder direkt vom Bauern schmecken so viel besser, als das importierte und ewig haltbare Zeug aus dem Supermarkt. Wer sich die Mühe macht diese Produkte zu finden, wird mit wenig Kochkunst eine unglaubliche Geschmacksdichte finden. Wenn diese jetzt noch mit guter Butter, frische Sahne, Eier von freilaufenden Hühnern, hochwertigen Joghurts, Quark und Käse kombiniert wird, steht einem der Weg in den Himmel des Genusses offen.

Der vegane Irrtum
Der krasse Gegensatz dazu ist die vegane Ernährung. Mangelerscheinungen müssen durch chemische Nahrungsergänzungsmittel abgewehrt werden und Transfettsäuren aus Margarine, die jahrzehntelang mit recht verteufelt wurden, werden hier wieder salonfähig. Langweiliges wird mit Unmengen von Fett halbwegs erträglich gemacht. Soziale Inkompetenz bugsiert den Veganer selbst, aber besonders auch die eigenen Kinder ins Abseits, denn was gibt es traurigeres als ein schmächtiges, blasses Veganerkind, das auf dem Kindergeburtstag keine Gummibärchen wegen der Gelatine und keinen Kuchen wegen der Butter und der Sahne essen darf. Der Vitamin B 12 Mangel, der bei Veganern symptomatisch ist, da es in der Pflanzenwelt kein Vitamin B12 gibt, sondern nur in der Tierwelt, sorgt für Anämie, Gewichtsverlust, Schlafstörungen, Depressionen, Verwirrtheit, Taubheit oder Kribbeln in Gliedmaßen, Lähmungen, Nervenschmerzen, Koordinationsstörungen und Sehstörungen. Ein Leid, den kein vernünftiger Mensch sich selbst oder seinen Mitmenschen antun sollte.

Fleischeslust als Schlüssel zum Glück
Ich werde nicht müde, die Vorteile der vegetarischen Küche zu loben und zu preisen. Durch das Kennenlernen neuer Speisen, wie die Dal Linsengerichte aus Indien, die wunderbaren Reismeldengewächse wie Quinoa und Canihua aus Südamerika, die nordafrikanischen Couscous und Bulgur Varianten und die arabischen Hummus und Tahine Speisen sind der Vielfalt keine Grenzen gesetzt. Tierische Proteine können ausreichend aus Eiern und Milchprodukten gewonnen werden und Geschmacksexplusionen kann man durch den Einsatz von raffinierten Gewürzmischungen erzeugen. Für Fleisch und Fisch besteht eigentlich kein direkter Bedarf. Aber alle, die aus vernünftigen Gründen Veggie geworden sind werden ihn kennen, den Heißhunger auf ein saftiges Steak, einen fetten Burger, eine Pizza mit reichlich Salami oder auf eine einfache Currywurst. Diese Botschaften sind Nachrichten, die Ihnen nur bedingt Ihr Körper schickt. Es sind Nachrichten von ihrer Seele. Sie schreit nach Belohnung. Sollten Sie diese Nachrichten nicht empfangen, dann werden Sie mit der 100% vegetarischen Küche glücklich und gesund alt werden. Sollte Ihnen aber der unbefriedigte Heißhunger auf Fleisch, Fisch oder Meeresfrüchte die Laune verderben, werden Sie als Vegetarier nie richtig glücklich werden und das wiederum wird Sie daran hindern, gesund alt zu werden. Hier kommt der geschickte Kompromiss zum Einsatz.

Vegetarismus ist keine Religion
Vegetarismus ist keine Religion und kein Gelübde, das man abgelegt hat. Es ist eine Entscheidung für ein besseres Leben. Die Entscheidung sollte jedoch konsequent in Hinblick auf ein besseres Leben getroffen werden. Wenn der Fleischverzicht Sie unglücklich macht, haben Sie eine falsche Entscheidung getroffen. Eine richtige Entscheidung wäre vielleicht zu entscheiden, ich verzichte bei meiner Ernährung weitestgehend auf Fisch und Fleisch. Die Ausnahmen werden folgendermaßen proklamiert: Wenn mich der Heißhunger packt, definiere ich genau, worauf ich Heißhunger habe. Dann definiere ich, was wohl das bestmögliche Produkt ist, um diesen Heißhunger zu befriedigen. Bei der Currywurst wäre es wohl die Bratwurst vom Bio Metzger mit dem Gewürzketchup und dem Goa Currypulver von Ingo Holland (Altes Gewürzamt). Bei einem Steak wäre es vielleicht ein Nebraska Steak von der Morgan Ranch von Otto Gourmet. Wenn man diese Ingredienzen besorgt hat, dann befriedigt man den Heißhunger in einer Zeremonie der Belohnung und des Genusses und nicht durch schnödes runterschlingen. Wenn man es jetzt noch schafft, sich bei großen Ereignissen wie Hochzeiten oder anderen Ehrentagen oder dem gemeinsamen Weihnachtsfest an der Tafel das zu essen, was wirklich gut und wertvoll ist und sich an diesen Tagen nicht dogmatisch an seine selbstauferlegte Entscheidung hält, wird vermutlich auch genügend Belohnung erzeugt, um Leib und Seele gesund und vor allem glücklich zu halten. Da das Fleisch, das Sie essen selbstverständlich aus artgerechter Haltung stammt, wird auch der Tierschutzgedanke gepflegt, da dieses Tier ohne ihr Bemühen in der Massentierhaltung gelandet wäre.

Das Foto zeigt mich beim Besuch eines Bio-Bauern in Dänemark

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