Unplugged. Pure Weine ohne Kellerspielchen

Wild at Heart
Der Weinmacher Dr. Martin Tesch und seine Rieslinge.

Prolog: Na, endlich ein Port Culinaire Wein! Zwei Seelen – die Liaison von Weißburgunder und einem Hauch Riesling.
Das Herz unseres Zwei Seelen bleibt der Pinot Blanc mit seinen typischen Aromen die deutlich duftender und üppiger daher kommen als bei seinem Vorgänger. Apfel, Birne, Quitte und Zitrus prägen den saftigen, animierenden, hellgoldenen Wein. Der Riesling steuert Mineralität, Säure und Frische bei. Beides vereint sich zu einem harmonischen Charakter. Haben wir nicht alle zwei Seelen in der Brust? So ist ein leichter unkomplizierter Wein für jeden Tag entstanden, der aber die Kraft hat, gutes Essen zu begleiten und sogar bei Steinbutt mit weißen Trüffeln oder edlen Krustentieren überzeugt.
An- und ausgebaut hat ihn der Weinmacher Dr. Martin Tesch an der Nahe. Tesch stammt aus einer Winzerdynastie und arbeitete als Biologe bevor er das elterliche Gut übernahm. Sein Spezialgebiet: Fermentation. So ist es nicht verwunderlich, dass Tesch seine Weine ohne technischen Firlefanz und doch mit wissenschaftlicher Akribie ausbaut. Dieses Cuvee haben wir mit ihm exklusiv für Port Culinaire entwickelt.

Zwei Seelen
Pinot Blanc und ein Hauch trockener Riesling.
Exklusiv gemacht aus Nahe Wein vom Weingut Tesch nach Zunge und Nase von Port Culinaire
Ein ordentlicher Liter: 9,90 EUR
Nur im 6er Pack erhältlich! Gesamt für ein Sixpack: 59,40 EUR
Alc. 12,0 % VOL
www.port-culinaire.de

Von der Nahe in die Ferne
Klar, ich kenne viele gute Winzer. Ich habe mich für Tesch entschieden, weil ich persönlich eine gewisse Verwandtschaft unserer revolutionären Seelen spüre. Mir gefällt die radikale Philosophie des Weinguts und selbstverständlich die Weine. Martin war so was wie der Bad Boy – und dieses Image hatte er auch später lange in der Branche. Mit 15 verließ Martin das Elternhaus und ging nach Bonn aufs Internat. “Weil ich es zu Hause echt vergeigt hatte“ – lacht er heraus. Bis dahin hatte er im elterlichen Betrieb Kellerarbeit gelernt. Das half ihm später, zur Finanzierung des Studiums Jobs in Brauerein und Sektkellereien zu finden. Tesch studierte Biologie. Dissertierte zum Doktor in dieser Disziplin. Sein Forschungsgebiet: Fermentation. Wie auch anders.

Talking about Revolution
1997 ereilte ihn der Ruf seines Vaters, heim ins elterliche Weingut. Martins Vater arbeitete wie all die anderen Winzer in dieser Zeit. Mit einer großen Palette an Rebsorten versuchte man, jedem gerecht zu werden. Tesch entschied sich zu einem radikalen Schritt. Er reduzierte die Anbaufläche von 30 auf 16 Hektar. Rodete die unwirtschaftlichen Anlagen und konzentrierte sich fortan auf Rieslinge. Lediglich ein paar Weißburgunder und Spätburgunder Gärten hat er belassen. Und Tesch baute seine Rieslinge radikal trocken aus. Trocken wie die niederschlagsarmen sanften Hügel der Nahe zwischen Hunsrück, Taunus und Pfälzer Bergland. Die Weine bekamen einen ganz eigenen unverwechselbaren Stil – aber eben anders als man es bis jetzt von Tesch Weinen gewohnt war. Viele der alten Kunden sprangen ab. Viel Kritik kam auch von der konventionellen Presse. Zu radikal war der Tesch. Und dann auch noch Schraubverschluss, keine Korken mehr. Na sowas. Der machte ja alles anders als andere. Für den Winzer begann eine finanziell brenzlige Zeit. Doch Tesch zeigte unternehmerischen Mut, hielt an seinem Konzept fest.

Rock and Roll
Der Durchbruch kam mit dem Riesling Unplugged. Ein toller Wein aus 30 Jahre alten Reben mit schönen Pfirsich- und Apfelnoten, mit originellem Etikett und ungewöhnlichem Namen entlehnt aus der Musikszene. “Unplugged“ bedeutet, ein Musikstück mit puren Instrumenten ohne technische Unterstützung zu spielen. Und so wird dieser Wein auch gemacht. Im Prinzip eine alte Naturwein-Philosophie. Maximales Terroir, keine Beeinflussung im Keller.

Zurück zum “Unplugged“. Der Verlust des alten Klientels setzte Martin Tesch in Trab. Klar, dass er Kunden suchen musste, die auf seiner Wellenlänge lagen. Die fand er unter jungen modernen Köchen, die mit neuartigen Restaurantkonzepten spielten. Und die Billigfluglinien eröffneten ihm die Möglichkeit, mit seinem damals bescheidenen Budget seine Weine auch international zu präsentieren. London ist heute ein großer Markt für Tesch-Weine. Ja, und magisch angezogen vom Label “Unplugged“ kamen die Musiker. Heute macht er Weine für “Die Toten Hosen“, für das Wacken-Festival oder liefert Weine für das Hard Rock Cafe.
Auch wenn ihm heute der Erfolg beschert ist, so ist doch ein bisschen “Bad Boy“ in ihm verblieben. Vor einigen Jahren kündigte er seine Mitgliedschaft im VDP, da er mit der pyramidenartigen Klassifikation des Winzerverbandes nicht klar kam. Seine Weine sollen qualitativ horizontal gleichberechtigt nebeneinander stehen. Aber aus einem so ehrenwerten Verein freiwillig austreten? Das macht doch kein braver Junge, Herr Tesch!

Der Riesling
(Heunisch x Vitis Vinifera + Traminer Klon. Mittelalter – Oberrhein)

Es erübrigt sich eigentlich über diese deutsche Paraderebe zu schreiben. Riesling ist eine Edelrebe, kulturprägend. Obwohl spät reif, liebt sie kühle Anbaugebiete und steile Lagen. Hänge in denen sie sich quälen muss zu überleben. Lagen in die der Riesling seine Wurzeln tief in das Sediment in Schieferspalten und zwischen Felsen bohren muss um Wasser und Mineralien zu finden. Lagen in denen ihm das Wetter zu schaffen macht. Stress bringt Qualität! Wie keine andere Rebe saugt sie das Terroir auf und kann es widerspiegeln. Im Fels und Urgestein entsteht die typische Mineralik. Fruchtbare Böden bringen Vollmundigkeit. Das Klima ist gleichermaßen Fluch und Segen des deutschen Weinbaus. Die Aromen des Rieslings spielen mit dem Wetter wie auf einer Klaviatur.

Anbaugebiet Nahe
An der Nahe stößt die Rebe auf die deutschlandweit größte Bodenvielfalt. Quarz, Schiefer, Porphyr, Buntsandstein, Löss, Lehm, Muschelkalk. Alles. 75 % der Rebfläche sind weiß bepflanzt. Riesling dominiert deutlich.

Riesling und asiatisches Essen
Bekanntermaßen werden Rieslinge Jung bevorzugt getrunken. Trocken ausgebaut. Manchmal feinherb mit etwas Restsüße. Leitaromen sind Apfel, Pfirsich, Aprikose, Orange, Grapefruit, Quitte, Ananas und Mango und rassige Säure. Feinherb ausgebaute Weine werden gerne zu asiatischen Essen gereicht. Um der Schärfe entgegenzuhalten. So die Meinung vieler Sommeliers. Ich halte das für Blödsinn. Und folge eben der Auffassung der „kreativsten Weinbusiness Dame“ (so Jancis Robinson) der Grand Dame der weltweiten kantonesischen Restaurantkette Hakkasan (teils mit Michelin Stern) Christine Parkinson. Die mir klar gemacht hat, dass Weine in Asia Restaurants mitspielen müssen. Nicht gegenhalten. Denn schließlich hat sich der Gast für die Aromen und die Schärfe Asiens mit dem Restaurantbesuch entschieden und will sie nicht wegspülen.

Wie arbeitet Christine?
Ziel der Tastings ist es, Weine zu finden, die zu den unterschiedlichsten Gerichten der Kantonesischen Küche passen. Idealerweise zu allen. Tausendsassas sind gefragt. Oft hat der Gast Süßes, Saures, Mildes, Herzhaftes, zeitgleich vor sich stehen. Alles das muss der Wein begleiten. Daher geht Christine zunächst vor wie jeder Sommelier. Die ausgewählten Weine werden in kleinen Flights analysiert und beschrieben.
Die Bewertungscharts sind minutiös vorbereitet. Dann folgt die zweite Runde. Essen wird bestellt, quer durch die Speisekarte. Wichtig dabei ist, dass jede Geschmacks- und Gewürzausprägung vertreten ist. Dann folgt mit den gleichen Weinen der Geschmackstest zu jedem einzelnen Gericht. Solitär getrunken mag ein Wein begeistern. Vielleicht passt er auch noch zu milden Gerichten oder zu Herzhaftem? Aber zu Schärfe, Süße und Säure? Nein? Dann ist er raus. Keine leichte Aufgabe für die guten Tropfen. Immer wieder verblüffend, wie anders sich Weinaromen gepaart mit unterschiedlichen Gerichten entfalten. Gnadenlos ordnet sich das Team um Christine den Gerichten aus der Küche unter. Persönliche Vorlieben werden komplett ausgeschaltet. Im Hakkasan gibt es keinen Raum für Sommeliers mit Sendungsbewusstsein.
Angemerkt sei das Tesch Rieslingen in allen Hakkasan- Kantonesischen Restaurants weltweit vertreten sind.

Gereifter Riesling
Es gibt gute Rieslinge in der Wachau im Kamptal. Ja auch in Australien (z.B. McLaren Vale). Doch nirgendwo reifen sie so gut und elegant wie in Deutschland. Und der deutsche Riesling hat Lagerpotential. Gereifter Riesling behält seine einzigartige Finesse. Das macht ihn einzig. Und er behält und transportiert im Alter immer noch sein Terroir. Matallisch-Mineralisch fruchtig mit einem Spiel zwischen Säure und feiner eleganter Restsüße. Und es braucht nicht die Botrytis Edelfaulen Weine der 1980er um Lagerpotential aufzubauen. Gerade Tesch beweist das auch geradlinig trocken und säurebetonte Rieslinge Lagerpotential haben. Zu den Aromen gesellt sich bekanntermaßen die leichte Petrol-Altersnote. Mineralität spitzt sich oft zu und die Säure wird milder. Bei dem Altersprozess spielt der Verschluss eine erhebliche Rolle. Während Kork oxidativ reifen lässt was schneller geht und mehr Petrol hervorbringt reift Riesling mit Schraubverschluss. (Tesch benutzt hier eine ganz eigene Variante) langsamer und Anders.

Food Pairing
Während junger Riesling vor allem als guter Begleiter zu Fisch und Seafood, fruchtigen Speisen und säurebetontem Essen gilt, so kann der Gastgeber zu gereiftem Riesling gerne auch schwere Geschütze auffahren. Genial sind Pairings mit Bratwurst, Schlachtplatte mit Sauerkraut, fettem Fleisch, Rohwurst, reifem kräftigen Käse und Meeresfrüchte mit schweren Saucen, so richtig Klassisch mit viel Butter einmontiert.

Wir probieren gereifte Tesch Rieslinge.
Tesch Weine sind jung durch einen großen „ATTACK“ gekennzeichnet. Im Alter werden sie etwas braver.

Der Wein Spectator schreibt das Tesch Weine 5–7 Jahre brauchen um ihre wirkliche Klasse zu zeigen. Im reduktiven Milieu fermentiert und gealtert erhalten sie (so der Spectator) eine enorme Komplexität. Nun, der Aussage folge ich nicht ganz. Ich liebe gerade auch die frischen Weine.

KARTHÄUSER – Das Kraftpaket
2011

Riesling Qualitätswein trocken
Aromen: feiner Petrol, rote Beere, würzig, kraftvoll, fruchtig, elegante Säure, komplex ausdrucksvoll
Verwitterter Roter Sandstein
Hoher Anteil Eisenoxid

„Diese herausragende Lage oberhalb von Laubenheim bildet einen nach Südwesten geöffneten Talkessel. In dieser einem Amphitheater ähnlichen Szenerie wird die Wärme im verwitterten roten Sandsteinboden gut aufgenommen und gespeichert. Daher präsentieren sich die Trauben hier immer mit Reifevorsprung und sorgen für ruhige, kraftvolle, würzig-fruchtige Rieslinge von straffer Struktur mit zurückhaltender Säure. Ihren Namen verdankt die Lage seinen Besitzern im späten Mittelalter, den schweigsamen Kartäuser-Mönchen.“

Passt zu: Speck, Iberico, Schinken, Salami, Bratwurst, Bratkartoffeln, Sauerkraut, fermentierte Produkte, Rote Beeren, Apfelkuchen, Pflaumenkuchen, buttrige Aromen, kräftiger Käse, Blauschimmelkäse

KÖNIGSSCHILD – Der Elegante
2012

Riesling Qualitätswein trocken
Aromen: vielschichtig, elegant, cremig, gelbaromen, mineralisch, lebendig
Kalkstein und Löss, Hoher Anteil Kalzium
Enthält Sulfite

„Südlich vom LÖHRER BERG finden wir den von Muschelkalk durchsetzten lockeren Lösslehm des KÖNIGSSCHILDS. Der Lockerheit des Bodens ist es zu verdanken, dass sich die alten Rebwurzeln, dem tief absickernden Wasser folgend, bis zu 15 Meter tief in den Boden arbeiten. Besonders in ihrer Jugend duften die Rieslinge ganz wunderbar verspielt und floral. Geschmacklich wirken sie geschliffen, weich und elegant. Die Namensgebung ist wahrscheinlich auf die Zugehörigkeit zur Ingelheimer Kurpfalz, der Winterresidenz Karls des Grossen, zurückzuführen.“

Passt zu: Fisch, Hummer, Schwein, Geflügel, junger Käse, zu würzigen und fruchtigen Speisen, zu Asia Küche

LÖHRER BERG – Der Deutsche
2014

Riesling Qualitätswein trocken
Aromen: Elegant leicht Petrol, saftig, Apfel, vollmundig, erdig, harmonisch, sanft
Lehmiger Boden mit Kies
Exzellente, natürliche Wasserversorgung

„Der Langenlonsheimer LÖHRER BERG (= leerer Berg) ist eine der ältesten Riesling-Lagen der Nahe. Dafür sorgte 1688 der pfälzische Kurfürst Philipp Wilhelm von der Pfalz, als er anordnete, diese Lage ausschliesslich mit Riesling – und nicht mit verschiedenen Reben – zu bestocken. Zahlreiche Wasserquellen versorgen den mit Flusskies durchsetzten lehmigen Boden und machen ihn sehr fruchtbar. Aus über 40-jährige Reben entstehen hier saftige, an Apfelfrucht erinnernde Rieslinge, die mit etwas Reife oft herrlich erdige Noten entwickeln.“

Passt zu: Desserts mit Apfel und Birne, Eis, Vanille, Bratapfel, Brioche, Foie Gras, Entenleber, Camembert, Ziegen und Schafskäse, Paniertem, Kartoffeln, Rote Bete, Knollen, Wurzelgemüse, Schwarzwurzel

KRONE – Der Exot
2012

Riesling Qualitätswein trocken
Aromen: Zitrus, feine präsente Säure, komplex, schöne Frucht
Mischboden aus Lehmlöss und verwittertem Roten Sandstein
Begrenzte Wasserversorgung -> Stress

„Die Laubenheimer KRONE ist unmittelbarer Nachbar des LÖHRER BERG. Doch trotz der Nähe sind die Verhältnisse verschieden. Der steile Südosthang ist geprägt durch eine Vielfalt an leichten und groben Böden aus Lösslehm und Sandsteinverwitterung, die dem Riesling einen sehr komplexen Charakter verleiht. Auch sind die Reben hier dem Westwind stärker ausgesetzt, was zu stärkerer nächtlicher Auskühlung führt. Diese starken Temperaturschwankungen verhelfen dem Wein wiederum zu einem kernigen Temperament mit ausgeprägter Zitrusaromatik.“

Passt zu: Reifer exotische Frucht, Mango, Pampelmuse wirkt, leicht moussierend,
Gelbaromen, Limette, Fisch mit Zitrus, fermentierte Asia Aromen, Kimchi, Ingwer, Asiatischem Essen, frischen Salaten (Säure)

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