Ipalicus

Das Leben ist kurz. Dies ist eine Feststellung, die mir nicht nur sehr früh in meinem Leben bewusst wurde, sondern eine, die ich in meinen Kolumnen gerne hier und da einstreue. Aber das ist ein Umstand, der Ihnen sicher bewusst ist, mein lieber, treuer Leser. Es ist im Grunde genommen mehr als eine reine Feststellung, sondern eher ein Mantra, eine Lebenseinstellung, die ich hege. Damit möchte ich nicht sagen, dass ich in einer „Nach-mir-die-Sintflut“-Mentalität lebe, oder alles frei Schnauze mache, worauf ich Lust habe, ohne Rücksicht auf Verluste. Nein, das ist es nicht, auch wenn ich – und auch das werden Sie sicherlich mittlerweile bestätigen können – der Vernunft gerne mal einen guten Tag wünsche, während ich an ihr vorbeischreite, in das große Unbekannte gehend. Ich rede nicht davon, dass wir Riesterrenten auflösen und all unser Erspartes verbraten sollen, für Liebe, Rausch und die restlichen Vorzüge des Lebens, auch wenn es zunächst verlockend klingen mag.

Der Grundgedanke, dass das Leben kurz ist, weckte schon früh den Wunsch in mir, dieser kurzen Zeit, in der wir hier auf der Erde wandeln, einen gewissen Sinn zu geben. Nun, ich gebe gerne zu, dass dies vermutlich das Bestreben der meisten Menschen ist, obgleich es einen wichtigen Unterschied gibt. In der Regel lasse ich mich und mein Bestreben nur selten von Gesetzen der Vernunft, der Logik oder den derzeitigen Gegebenheiten meiner Finanzen aufhalten. Dieser gewisse Unterschied führt mich zu meinem eigentlichen Thema des heutigen Drinks: Meine Projekte. Ich bewundere Menschen, die eine einzige, nur einzelne, dafür aber unbändige Passion hegen. Da gibt es Menschen, die für die Musik leben. Seit der Schulzeit machen Sie nichts anderes, als ihre Instrumente zu spielen und ihr Talent zu pflegen. Sie denken an nichts Anderes, gleich morgens, nachdem Sie aufstehen, bis spät abends, kurz bevor sie die Augen schließen und wahrscheinlich sogar noch von ihrer Musik träumen. Ich habe auch meine Passionen. Die Kulinarik in all ihren Facetten zum Beispiel. Auf Seiten des Herdes, hinter dem Tresen und am Tisch sitzend als Gast gehört sie für mich zu den spannendsten Themen der Menschheit. Darüber hinaus gibt es für mich nichts Entspannenderes, als mich an einem verregneten Herbsttag an meine moderne Chiclet Tastatur zu setzen, oder mich hinter meine alte Olympia Reiseschreibmaschine zu klemmen, und darauf los zu schreiben, was mir alles so in den Sinn kommt. Das ist ebenfalls eine große Passion meinerseits. Schon immer hatte ich aber das Gefühl, dass ich mehr brauche, als eine oder zwei große Konstanten in meinem Leben. Nicht, weil ich Angst habe, dass mir eines je langweilig werden würde, sondern vielmehr, weil ich der Auffassung bin, dass es ein paar Dinge gibt, die ich abgehakt haben sollte, bevor ich das Parkett verlasse. Diese Dinge nenne ich meine Projekte. Wie ich bereits einmal erwähnte, spielte ich in einer Band, als ich ungefähr 15 war. Wir haben reihenweise Live-Auftritte gehabt und sogar ein Album aufgenommen, das auf CD gepresst und verkauft worden ist. Einfach wunderbar oder? Aus diesem Projekt ist nichts weiter geworden, hat es mir aber doch ungefähr fünf Jahre lang irrsinnige Freude bereitet und bietet es immer noch Stoff für ein paar gute Geschichten in der Kneipe.

Ich habe früher mein eigenes Gemüse gezüchtet und an allerhand obskuren Fahrzeugen aus alten Fahrradteilen gebastelt. Dies sind beides Projekte, die ich (insbesondere hier in der Großstadt) nicht weiterverfolgen konnte, die mich aber ein gewisses Feingefühl für Pflanzen und Basteleien haben entwickeln lassen.

Ich habe in den letzten Jahren ein altes Moped und einen Wohnwagen restauriert. Zwischendrin wurde die Wohnung, in der ich mich gerade befinde, von einem Rohbau in ein gemütliches Heim verwandelt. Aus dem alten VW-Transporter baute ich mir ein Wohnmobil, mit Kühlschrank und Küche, die im Heck des Wagens verschwindet. Ich verbesserte meine Fähigkeiten im Bereich der Pasta-Herstellung, die ich mir während meiner Ausbildung angeeignet und lieben gelernt hatte, beschäftigte mich aus dem Blauen heraus mit Cocktails und Drinks, begann eine Kolumne zu schreiben und sitze nun hier. Auf meinem Schreibtisch liegt ein Buch, welches sich mit dem Thema Wurstherstellung beschäftigt, und soll ich Ihnen sagen aus welchem Grund? Weil ich auf den Tag warte, wenn ich der Höchstbietende bei der Auktion einer kleinen Piaggio Ape bin. Ich wollte schon immer einmal einen kleinen Imbisswagen haben, in dem ich meine selbstgemachte Wurst verkaufen könnte. Auf dem Dach der Ape würde auf zwei Federn eine große Kunststoffbockwurst thronen, die einen Banner mit der Beschriftung „Würstchen Helgi“, tragen würde. Ich würde am Wochenende durch die Gegend fahren und allerlei hausgemachte Wurstspezialitäten verkaufen. Krakauer, Debrecziner, Mettenden, Bockwürstchen, Rostbratwürste und vielleicht auch mal eine Weißwurst. Warum in Gottes Namen sollte ich das auch nicht tun, wenn mir der Sinn danach steht? Ich habe dieses Buch ausführlich studiert und die ersten Wurst-Versuche sind erfolgreich unternommen worden. Für den Fall, dass ich einmal der Höchstbietende sein sollte, bin ich jedenfalls vorbereitet.

Eine neue Leidenschaft, die sich zu einem regelrechten Projekt entwickelt hat, ist das Brauen meines eigenen Bieres. Ich habe mich in den letzten Monaten intensiv mit dem Thema Bier auseinandergesetzt, habe mich durch Pale Ales und Canadian Lagers getrunken, habe doppelt gehopfte und mit Hopfen gestopfte Biere probiert, kenne nun den Unterschied zwischen Bockbier, Doppelsticke und Märzen. Es ist ein unglaublich interessantes Themengebiet und die Beschäftigung damit allein, könnte man schon als ein eigenes Projekt ansehen. Aber das Bestreben, das stets dahinterstand war, mein eigenes Bier zu brauen. Ja, mit einem India Pale Ale würde alles anfangen, und vielleicht würde ich auf den Geschmack kommen, weitere Biersorten selbst anzufertigen. Ich habe bereits damit begonnen, alles, was ich für das Brauen benötige, zusammenzusuchen, habe die Keller meiner Verwandten und die Kleinanzeigen der Stadt durchforstet. Ich würde es in Flaschen abfüllen und mir würde mit Sicherheit ein lustiger Name für dieses Gebräu einfallen, da habe ich keinerlei Zweifel. Meine Bekannten und Verwandten halten mich sowieso für übergeschnappt, aber ich werde dieses Projekt mit großer Leidenschaft weiterführen. Warten Sie nur ab!

Eines vorweg: Ich habe diesen Drink nicht erfunden. Ich bin sowieso der Meinung, dass die meisten meiner Drinks in irgendeiner Form bereits existieren, so wie alles bereits in irgendeiner Form wahrscheinlich schon existiert. Doch dieser Drink ist definitiv dem Kopf eines Anderen entsprungen, ist er aber so spannend und so simpel, dass ich ihn einfach mitbringen musste. Wir nehmen 4 cl unseres geliebten Italicus Rosolio Bergamottenlikörs und geben ihn in ein schönes Bierglas. Jetzt gießen wir mit einer Flasche unseres Lieblings India Pale Ales auf. Die Intensität des Geschmacks können wir mit der Menge des Bieres steuern. Fertig ist die Laube – das war es schon. Manchmal ist ein Drink nur ein Drink und ein Projekt ein Projekt.

Wenn Sie sich bei diesem Drink zurücklehnen, überlegen Sie doch mal, was Sie alles mal so angehen wollten, sei es noch so verrückt oder dämlich. Sie wollen eine Münzsammlung anfangen? Nur zu! Vielleicht war es schon immer ihr Bestreben Maine-Coon-Katzen zu züchten. Na und? Sie wollen sich Hühner anschaffen und einen Stall für diese bauen? Legen Sie los! Wir sollten manchmal weniger auf unseren Kopf und mehr auf unser Herz hören. Machen Sie um Gottes Willen, wonach Ihnen der Sinn steht, ganz gleich, was die anderen sagen. Schieben Sie keines Ihrer noch so verrückten Projekte auf morgen. Wenn es da etwas gibt, dass Sie schon immer tun wollten, dann tun Sie es einfach und zwar nicht, wenn Sie Urlaub haben, wenn Sie umgezogen sind oder in Rente gehen, sondern am besten jetzt gleich, denn eines ist gewiss: die Zeit läuft.

Auf die Projekte,
Der heilige Helge

Zutaten bei BOS FOOD zu bestellen: 3 cl Italicus Rosolio di Bergamotto (Art. Nr. 48454)
1 Flasche India Pale Ale ihrer Wahl

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