Corona-Update: Die Zeit heilt keine Wunden

Es ist Ihnen sicher schon aufgefallen: Nach dem jeweils letzten Verschärfungsbeschluss zu neuen Corona-Maßnahmen ist ein paar Tage Ruhe. Dann geht es wieder los mit den Diskussionen, mit neuen Vorschlägen, aber auch mit einer hochbrisanten Kommunikation im Merkel-Stil. In der aktuellen, einstündigen Rede der Kanzlerin zum Thema kam die Gastronomie nicht ein einziges Mal vor. … Weiterlesen

Michelin Frankreich 2021: Vorne hui, hinten pfui?

Foto © Michelin France
Wer die Live-Übertragung des französischen Guide Michelin anlässlich der Ausgabe 2021 am letzten Montag gesehen hat, musste eigentlich genau den Eindruck bekommen, den man offensichtlich bei Michelin kommunizieren wollte. Man hatte zwar – ziemlich demonstrativ – den Eiffelturm als Dekor gewählt, hielt dann aber eine Zeremonie voller Bescheidenheit ab, bei der der Chef der Führer, Gwendal Poullennec, fast ein wenig schüchtern und unbeholfen ständig mit seinen Händen in der Gegend herumruderte. Jedem professionellen Moderator würde man das schnell abgewöhnen. Aber das nur am Rande.

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Der Koch und ich – Kapitel 4 Bretagne, mon amour oder Soupe jaune

Bretagne, mon amour oder Soupe jaune
Das Studentenleben bot genügend Gelegenheit zur üppigen Lebensgestaltung.Die ersten Reise in die Bretagne Anfang der 70er war wohl eine Schicksalsbegegnung. Eine von vielen. Hier traf ich auf die lockere, französische Lebensart.

Wir landeten nach unendlich langer Fahrt von Bonn aus im kleinen Ort St. Benoit des Ondes und zwar in der Bar Tonquedec. Ich war hundemüde und sah am Straßenrand Personen und Dinge, die gar nicht existierten. Und so stammelten wir einfach in dieser Bar nach einem Zimmer, das draußen als „Tout confort“ avisiert wurde. In der Bar wallte ein eigentümlicher Geruch nach Fisch und Gitanes Mais. Die Patronin, Madam Tonquedec, zeigte uns einen Raum, der eine Tapete hatte, die aussah wie mein Schlafanzug und meinte, so übersetzte ich jedenfalls, dass der Zimmerpreis die Halbpension einschließe.

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Ralf Bos wird 60! Wie konnte das passieren?

Es ist kaum zu fassen: Ralf Bos, der Herr über Millionen von Produkten, Chefingenieur im Maschinenraum der deutschen Gastronomie, Hoflieferant der Großen, der Spitzen- und weniger Spitzenküchen, Ausstatter sämtlicher kulinarischer Opern bis hin zu Kreuzfahrtschiffen, Trüffelpapst und Wohltäter wird heute doch tatsächlich 60 Jahre alt. Aber – lassen wir uns nicht von Zahlen täuschen. Ralf … Weiterlesen

Versagt die Dehoga-Führung in der gegenwärtigen Krise?

Ingrid Hartges © DEHOGA Bundesverband/Svea Pietschmann

Am 28.12.2020 habe ich in der Weihnachts- und Neujahrspause von www.eat-drink-think.de auf meinen Facebook-Accounts folgenden Text veröffentlicht:

Wir brauchen – vor allem für die Gastronomie – eine NEUBEWERTUNG DES INZIDENZWERTES. Wenn die 50 weiter der Maßstab für Wiedereröffnungen bleibt, sehen wir noch etlichen Monaten größter Probleme entgegen. Der Wert wurde im Frühjahr ohne große Erfahrungen mit der Risikobewertung eher willkürlich eingeführt. Heute brauchen wir eine BESSERE BALANCE zwischen den gesundheitlichen Risiken und denen für den Fortgang des gesellschaftlichen Lebens.

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TV-Momente 1.

Die “Küchenschlacht” oder: Wie gut sind Köche als Kritiker? In dieser neuen Serie wird es nicht darum gehen, ganze TV-Sendungen zu analysieren und zu kritisieren. Es wird um besondere Momente gehen, die für einen bestimmten Zusammenhang interessant sind, die ein wenig über den Tellerrand hinausgehen oder aber auch – das kann natürlich passieren – einmal … Weiterlesen

Der Koch und ich – Kapitel 3 Internatsessen

Internatsessen Aufgrund meiner schulischen Leistungen riet der Dorfschullehrer, mich aufs Gymnasium zu schicken, aber das war fahrtechnisch und finanziell nicht zu lösen. Ich sollte also in das Gymnasium mit Internat nach Daun, noch tiefer in der Eifel, wo einst Vulkane tobten. Das kirchlich geprägte Internat nahm aber keine feindlichen Evangelischen auf, und so machte ich … Weiterlesen

Gault&Millau: Die zehn merkwürdigen Gebote der Nouvelle Cuisine von 1973

Im hier auf www.eat-drink-think.de rezensierten Buch von Eckart Witzigmann und Johann Lafer sind auf Seite 37 noch einmal die – natürlich als vorbildlich gedachten – „10 Gebote der Neuen Küche“ von Henri Gault und Christian Millau aus dem Jahre 1973 abgedruckt. Ich möchte sie hier in der Form wiedergeben und kommentieren, in der sie bei Witzigmann und Lafer abgedruckt sind. Sie sind in diesem Buch aus dem Zusammenhang gerissen, in dem sie entstanden sind. Das bedeutet vor allem, dass sie sich auf bestimmte Erscheinungen in der Küche beziehen, die zum Zeitpunkt ihres Entstehens eine Rolle spielten.

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Drei Sterne für Viki Geunes vom ‘t Zilte in Antwerpen!

Hier der Anfang eines Textes, den ich im Jahre 2006 in meiner FAZ-Feuilleton-Serie „Geschmackssache“ veröffenlicht habe: „Es gibt sie noch, die ganz großen Karrieren von Kochtalenten, die sich in kürzester Zeit und ohne großartige Lobby in die Spitze des Faches kochen. Viki Geunes vom Restaurant „‘t Zilte“ aus Mol in Belgien (etwas nördlich der Autobahn … Weiterlesen

Johann Lafer/Eckart Witzigmann: Lafer Witzigmann. Eine Freundschaft, 100 Rezepte. Gräfe und Unzer Verlag, München 2020. 288 S., geb., Hardcover, 29 Euro

Es wird viele Leute geben, die das Erscheinen eines solchen Buches mit einem gewissen Grummeln in der Magengegend registrieren. Gab es nicht auch schon Witzigmann und Mälzer oder Witzigmann und Biolek und hatte man nicht in beiden Fällen den Eindruck, als ob sich da Mittelmaß an einen ganz Großen „ranschmeißt“, oder jedenfalls der Eindruck entstehen muss, dass die Zusammenarbeit mit der Kochlegende die eigene Person irgendwie schmückt und/oder aufwertet?

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