Kollektion politisch nicht ganz so korrekter Weine (die man trotzdem immer wieder so erstaunlich gerne trinkt).

Francis Coppola WeinVorbemerkung: Diese neue Reihe beschäftigt sich mit Weinen, die die Türe sozusagen nicht nur einen Spalt öffnen, die nicht verschlossen sind oder nur unter Absingen gregorianischer Choräle gewürdigt werden können. Es sind Weine, die für die Connaisseurs möglicherweise zu dick sind, zu direkt, zu überwältigend, nicht fein genug strukturiert oder zu plakativ. Es sind Weine, die in den Runden von Kennern auch schon mal niedergemacht werden, weil es nicht als ein Ausweis von Kennerschaft gilt, einfach zuzugeben, etwas sei vor allem so süffig und begeisternd, dass man es auch ohne selbstquälerische Analysen trinken kann.

Dass ausgerechnet ich, als Spezialist für differenziertes Schmecken eine solche Serie beginne, hat ganz klare Gründe: Mir ist einfach nichts Menschliches fremd. Irgendwo ermattet von des Tages Arbeit sitzen, und auf einen dieser äußerst gradlinigen Tropfen zu treffen, hat bisweilen etwas sehr, sehr angenehmes.

Folge 1: Die Diamond Collection von Francis Coppola

Starregisseur Francis Ford Coppola macht schon längere Zeit Weine und er entwickelt dabei einen Stil, der nicht gerade von Verunsicherung und vorauseilendem Tester-Gehorsam gekennzeichnet ist. Aber – der Reihe nach. Ich bin manchmal immer noch ein wenig Etikettentrinker, womit ich allerdings hier nicht berühmte Weine meine, sondern Weine mit einem schönen oder sonst wie beeindruckenden Etikett. Und da musste ich einfach über die Coppola-Etiketten für seine Diamond Collections stolpern, die er für Rebsorten-Weine einsetzt. Sie sind einen Hauch protzig, haben einen Hauch Glööckler, sind nicht vornehm-italienisch oder amerikanisch, sondern wie ein reicher, sehr selbstbewusster Italiener in Amerika eben.

Francis Coppola Wein Francis Coppola Wein Francis Coppola Wein Francis Coppola Wein Der Inhalt trifft meist wie eine Keule (wenn man es einmal etwas populärer ausdrückt). Ob die Weine viel Körper haben, ist meist gar nicht so einfach festzustellen, weil sie vor allem viel Frucht haben und dabei trotzdem bisweilen recht hohe Prozente. Man kann sie alle trinken, sie sind nicht ganz billig, aber immer beeindruckend. Ihr Hauptkennzeichen ist, dass man sie nicht nebenbei trinken kann, weil sie sich mit jedem Schluck gründlich zurückmelden. Man redet, man liest, man sieht einen Film, greift zum Glas und ist sofort wieder mitten drin im Wein. Die Gefahr, dass man in abgelenkter Form glatt am Inhalt einer Flasche vorbeitrinkt, besteht also nicht. Ich habe die Coppola-Weine zum ersten Mal in Flensburg in einem Laden angetroffen, der den Dänen Rioja-Weine verkauft, die – Sie werden das wissen – auch bisweilen der fruchtigen Oberfläche das Hauptaugenmerk schenken. Es war mir eine klammheimliche Freude, weil ich mir beim Trinken auch gleich vorstellen konnte, dass eine anämische Weinbeurteilung über so etwas eigentlich nur mit Empören herfallen kann.

Essen und Trinken muss einfach immer auch etwas anarchisch sein. Man muss auch einmal zusammenzucken und ausrufen: „Was ist das denn?“, danach in ein breites Grinsen verfallen und die gute Schulbildung mal ein Stündchen lang vergessen.

2 thoughts on “Kollektion politisch nicht ganz so korrekter Weine (die man trotzdem immer wieder so erstaunlich gerne trinkt).

  1. …. als wir mal durch das Veneto fuhren und sogar in Cavalino ankamen, haben wir auf irgendeiner Azienda einen RABOSO mitgenommen, der wirklich lecker war. Wir kannten diesen Wein überhaupt nicht und doch mundete er köstlich zu Pasta, wenn sie etwas deftig ausgefallen ist. Also eine wirkliche Empfehlung und hierzulande gar nicht mal bekannt. Wir haben uns dann zwei Drei Liter Flaschen – also eher Ballons – mit an den Niederrhein genommen und diesen Wein in langen Nächten mit der Nachbarschaft vorm Haus ausgetrunken. Leider viel zu schnell. Auch WIkipedia weiß über den Raboso leider nur sehr wenig zu berichten https://de.wikipedia.org/wiki/Raboso

  2. mein politisch nicht ganz so korrekter lieblingswein ist lambrusco grasparossa. den kennt irgendwie jeder aus studizeiten, “ ernsthafte“ weintrinker können den natürlich nicht trinken. ich mag seine laute, wilde fruchtigkeit und seine ausgesprochen hohe kompatibilität mit etwas fetterem, deftigen essen. mittlerweile gibt es auch seriöse winzerware, im idealfall werden sie “ sur lie“ gefüllt; ähnlich wie beim bayerischen weissbier gibt er hefesatz ins glas gegossen nochmal ein bisschen mehr komplexität.

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