Das nennt man dann wohl ein Zeichen: Der ZS-Verlag trennt sich von Gault Millau und setzt auf Gusto

Das nennt man dann wohl ein Zeichen: Der ZS-Verlag trennt sich von Gault Millau und setzt auf Gusto

Der ZS-Verlag, der erst 2017 eine Zusammenarbeit mit Gault Millau begonnen hatte, trennt sich nun von dem oft umstrittenen Guide. Der offizielle Grund ist laut einer Pressemeldung des ZS-Verlags die mangelnde Unterstützung „von internationaler Seite“ für den digitalen Umbau des Führers. Die Trennung von Gault Millau wird durch einen gleichzeitig veröffentlichten Schritt des Verlages allerdings auf ein anderes Niveau gehoben. Der ZS-Verlag setzt nun auf den GUSTO-Führer. Zitat: „In einer neuen Partnerschaft bringen beide Unternehmen ihre Kompetenz ein und entwickeln den in Restaurantkreisen hoch geschätzten Guide zur führenden Marke für kulinarischen Genuss weiter.“

Ein kräftiges Signal
Der ZS-Verlag ist quasi der frühere Zabert-Sandmann-Verlag. Ein Verlag, der sich vor allem durch ein sehr sicheres Gespür für gute Geschäfte ausgezeichnet hat. Die Bücher mit dem Löffel und eine Unzahl von Kochbüchern mit TV-Köchen in immer wieder anderen, glasklar kommerziell motivierten Kombinationen, haben lange Jahre das Programm bestimmt. Der Schritt zu Gault Millau hat seinerzeit ein wenig verwundert, in der Folgezeit allerdings noch mehr, weil offensichtlich der Test-Bereich und seine Führung nicht wesentlich umstrukturiert wurden, man also nicht mit irgendwelchen Überraschungen rechnen konnte. Die erwarteten Änderungen wurden nicht sichtbar, und trotz gebetsmühlenhaft vorgetragener PR-Sätze, nach denen der Gault Millau neben dem Michelin der zweite große Führer des Landes sei, machte der Guide keinerlei „Geländegewinne“. Dass er in der berühmt gewordenen „Sternklasse“-Umfrage immer hinter Michelin und Gusto landete, hat sich nicht geändert. Geblieben ist dem Gault Millau nur die Zustimmung einiger älterer Gerneesser aus den Medien, deren kulinarischer Wissensstand allerdings schon seit vielen Jahren weit hinter der Zeit zurückgeblieben ist.

Auch Gusto kann sich noch verbessern. Aber was macht der Gault Millau?
Der GUSTO ist dafür bekannt geworden, dass er von den Restaurants einen Unkostenbeitrag erbittet. Zahlen sie, werden sie besucht und in einem durchaus ansehnlichen Umfang beschrieben. Zahlen sie nicht, werden sie trotzdem besucht, aber nur eher klein erwähnt. Die Aufregung über diese Praxis (die durchaus Vorteile hat), hat sich erstaunlich schnell gelegt, weil klar wurde, dass der „Beitrag“ keine großen Probleme bringt: im GUSTO arbeitet man mit einer eher positiven Grundeinstellung und bleibt auch bei Kritik weitestgehend sachlich. Damit hat man sich frühzeitig von dem bisweilen schnöseligen Ton im Gault Millau abgesetzt und vor allem die Unterstützung vieler Köche und Gourmets gefunden. Auch ich habe die Arbeit des GUSTO immer mit positivem Interesse verfolgt und schnell gesehen, dass sich dort eine erhebliche Konkurrenz zum Gault Millau aufbaut. Meine Bedenken gelten heute eher einer zu hohen Bewertung für einige Küchen, die in meinen Augen zu „bunt“ und mit einem international kaum positionierbaren Mischgeschmack arbeiten.

Für den Gault Millau bleibt nach diesem erheblichen Tiefschlag erst einmal die Frage, ob man tatsächlich so weitermachen kann und will wie bisher – unabhängig von der möglichen Online-Positionierung. Es bleibt die Frage, ob man nicht einen personellen Schnitt braucht, der auch weit in die Bereiche der Tester geht. Und dann? Was hätte man dem Gusto entgegenzusetzen? Ich hätte da einen kleinen Vorschlag. Es gibt ein Modell eines Führers, das in Deutschland noch nicht genutzt wird: ein Führer, der nach einem radikalen Schnitt der inflationären Bewertungen radikal sachlich und präzise bewertet, also genau das nicht macht, was der Gault Millau immer gemacht hat, wie etwa den 17 Punkte-Restaurants perfekte Kochkünste zu bescheinigen. Weder Michelin noch GUSTO machen so etwas. Hätte man den Mut dazu?

Das wird noch spannend. Oder überhaupt nicht…

3 Gedanken zu „Das nennt man dann wohl ein Zeichen: Der ZS-Verlag trennt sich von Gault Millau und setzt auf Gusto“

  1. Ich hoffe nur, dass die Gusto App jetzt nicht so schlecht wird wie zuvor die Gault Millau App. Vielleicht konnte Z&S nichts dafür, aber die GM App ist seit Jahren (seit ca. 2014) komplett unbrauchbar. Abgesehen von den oft eigenwilligen Bewertungen war das ein Grund für mich – der unterwegs viel auf die Schnelle nach Restaurantempfehlungen im Smartphone sucht -, die letzten Jahre auf GM zu verzichten.

  2. zwei anmerkungen dazu: die schnittmenge der ZS-leser und besucher gault millau-gelisteter restaurants scheint wesentlich kleiner denn angenommen zu sein, so dass sich hier keinerlei synergieeffekte auftun. stilistisch ist der gault millau arg in die jahre gekommen, bedient er sich immer noch eines möglicherweise süffig zu lesenden “ feuilleton-stils“, der in der restaurantkritik der 80,90iger jahre vielleicht „in“ war; aufgrund seiner unsachlichkeit und seines geringen informationsgehaltes aber mittlerweile für viele am thema interessierte leser komplett „out“ ist.

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