Der Koch und ich – Kapitel 14 Ausflüge-Anregungen-Altenahr-Antwerpen

Die gebratene Forelle auf meinem ovalen Porzellan ist außergewöhnlich. Von der Größe her, bestimmt dreißig Zentimeter, na ja, Männer neigen zur Übertreibung. Sie ist geschmacklich eben forellig und nicht irgendwie fischig undefinierbar. Ich erfahre, dass sie in einem Teich beim Ort Schuld an der Ahr gelebt hat. Der Fluss speist diesen Teich und durchfließt ihn, und das sind die Folgen: Keinerlei muffig-mulmigen Aromen, wie bei Teichforellen leider manchmal anzuschmecken. Ja, ich erinnere mich mal wieder an meine Kindheit. Vor mehr als sechzig Jahren schnappte mein Kumpel die flinken Flitzer mit bloßen Händen aus dem Linnebach, der sich in die lippische Bega ergießt. Die Predigt von Oma, dass man so etwas nicht tue, weil die Forellen jemand gehören, geriet halbherzig. Sie briet die Glitschigen trotzdem. Der butterige Duft und die krosse Haut des Fisches sind immer Maßstab für gelungene Zubereitung geblieben. Und auf diesen Duft treffe ich heute wieder oder er auf mich. Das olfaktorische Gedächtnis meldet sich, es vergisst niemals. Zubereitet wird dieser respektable Fisch von Christian Storch im Gasthaus Assenmacher in Altenahr. Seine Gattin Christa, ebenfalls Küchenmeisterin, serviert ihn charmant, nachdem sie die leere Schale der kräftigen Rindfleichsuppe mit Grießklößchen und Gemüsestreifen abgeräumt hat. Das Filet löst sich leicht von den Gräten, es ist bissfest und aromatisch. Der begleitende Salat ist frisch, knackig und reichhaltig, das Dressing dezent lecker. Meine liebste Hälfte setzt an ihrem gebratenen Seelachs ebenfalls nichts aus. Alle Plateaus sind blank geputzt, bis auf einige wenige Zitronenstückchen. Den kulinarischen Ausflug verdanken wir der Spürnase der Storchs für Feines. Damit sind die fünfhundert Gramm Winteredeltrüffeln, Périgordtrüffel, beste Tuber melanosporum, gemeint, die ich als Trüffelkurier überbringen. Ein Direktimport aus der Provence. Ich überreiche diese dunklen Köstlichkeiten auf Bitte meines Freundes Jean-Marie Dumaine, der Christian Storch versprochen hat, an ihn zu denken, wenn er welche von Frankreichreisen mitbringt.

Nach diesem Schmaus fühle ich, dass meine Mission erfüllt. Die Übergabe der Melanos ist der Abschluss von neun Tagen Genuss in kulturellem, sensorischem und kulinarischem Empfinden. Ich bin zurückgekehrt von einer Studienreise, die einmalig, unvergesslich aufregend war und sehnsüchtig macht nach den einmaligen Landschaften der Provence, ihren Monumenten, ihrem Licht, der Vegetation und den freundlichen, und herzlichen Menschen dort. Im Gasthaus Assenmacher erlebe ich einen würdigen Abschluss von etwa viertausend Kilometern in und über Frankreich. Im Radio spielen sie auf der Heimfahrt nach Kripp den alten Song der Walker Brothers aus den sechziger Jahren: My ship is comming in. So ist es!

Feinschmeckererfahrung, wie die mit der Forelle, muss man selber machen, aber es ist hilfreich, wenn man Menschen kennt, deren kulinarischer Background fundiert ist.Unsere Tochter studierte für ein Jahr in Antwerpen und wir ließen es uns nicht nehmen, sie in dieser schönen Stadt zu besuchen. Der gastrosophische Tipp Nik Wojtkos, Roger van Damme`s Lokal Het Gebaar zu versuchen, erwies sich als treffsicher, wie alle seine kulinarisch orientierten Anregungen oder Anstöße. Innerhalb der Lunch Lounge mitten in der Stadt waren alle Tische besetzt, außerhalb war noch Platz und freie Auswahl. Diese bezog sich allerdings nicht auf eine inhaltsgroße Speisenkarte, denn es wurde streng genommen nur ein Gericht serviert, der Rest war Dessert oder kleinere Leckereien, diese aber erst vanaf vierzehn Uhr. Diese singuläre Schöpfung wurde als Suggestie bezeichnet. Na gut, es war erstens halb eins und zweitens warum nicht? Die freundliche Servicedame empfahl uns einen offenen Domaine Saint Pierre, der sich als sehr frischer Sauvignon blanc herausstellte, mit typischem Aroma, leicht Citrus, der passende Wein zum endenden Sommer. Unser Weißhusky wurde ebenfalls und selbstverständlich bedacht, aber mit Hundewein, am Boden schlabbernd genossen. Die Amuses bouche waren einfach und lecker. Brot Butter, Fleur de Sel und grober Pfeffer begleiteten durchgehend. Die servierte Suggestion wirkte zunächst visuell, denn sie war ein Kunstwerk, dreidimensional gemalt auf einem viereckigen und glänzendem Plateau. Eigentlich ein komplettes Menü.
Geangelter Seebarsch in einem Bett aus gebackenem Spinat, umrahmt von im Mund schmelzenden Kartoffelpürreetropfen und Augen aus milder Krabbenmajonäse. In einem knusprig gebackenen zylindrischem Nichts verbarg sich eine Bouillabaise als Jus und alles an feiner Garnitur aus Blumenkohl mit Ei und Wasabi. Auf dem traumhaft schmeckenden Fisch, thronte über einem Knusperdeckel eine langsam zerlaufende Minze-Zitroneneiskugel umkränzt von Kräutern. Nahm man den Restaurantnamen zur Hilfe, so war dieses herausragende kulinarische Erlebnis eine kräftige Gebärde, die aus sich selbst heraus wirkte. Im Inneren des Restaurants hätte es nicht besser sein können als im Garten, die zwei bis drei arbeitslosen Wespen, die in milder Septemberluft umher summten, waren harmlos. Der Botanische Garten, der an das Haus angrenzt, eigentlich umschließt, ließ mich als Kräuterfan nachdenklich werden. Da wächst, sorgsam gepflegt, alles Erdenkliche an Fines Herbes. Eine Bewertung für Essen, Service und Ambiente? Vandammig gut, nein, sehr gut, hervorragend. Danke Roger! Danke Nik!

Frank-Krajewsk
Foto © Claus Kuhlen

 

Freuen Sie sich nächsten Sonntag auf ein weiteres, neues Kapitel aus dem spannenden kulinarischem Leben von Frank Krajewski.

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