Es geht ein Gespenst um in Deutschland…

Und wieder wird mit dem Gourmetrestaurant „Himmel un Äd“ im Kölner Hotel Wasserturm ein Restaurant mit Spitzenküche geschlossen. Die Meldungen von solchen und ähnlichen Aktionen häufen sich und kommen im Moment quasi wöchentlich. Wo ist das Problem? Läuft Spitzenküche in Deutschland im Moment nicht mehr? Ist sie in einem Zustand angekommen, in dem sie nicht mehr läuft? Machen die Köche die Fehler? Oder vielleicht die Gastronomen? Man sollte sich zu einer realistischen Sicht durchringen – auch wenn diese Sicht den Optimismus bremsen könnte. Ein paar Dinge waren abzusehen, und es gibt eine ganze Reihe von Kennern der Szene, die frühzeitig auf kommende Probleme hingewiesen haben. Hier ein paar Punkte: 

weiterlesen

Casual Fine Dining konkret: Sebastian Prüßmanns Perlhuhnbrust von Jean-Claude Mièral mit wildem Brokkoli, Strauchtomaten-Sugo und Morcheln

Prolog: Wenn ein Restaurant und seine potentiellen Gäste unterschiedliche Bedürfnisse haben
In der Villa Rothschild im Königsstein im Taunus hat sich kulinarisch etwas abgespielt, das so oder ähnlich viele Hotelmanager oder -besitzer beschäftigt. Im Grunde geht es darum, dass auch eine sehr gute Küche im besten Sinne „nützlich“ sein muss, und dass sie Probleme produziert, wenn sie am Bedarf des Publikums vorbeiarbeitet.
Die Villa Rothschild ist ein vergleichsweise kleines, exklusives Hotel mit nur 22 Zimmern. Typisch ist während der Wochentage eine Belegung mit Geschäftsleuten der Geschäftsführungsebene. Solche Gäste haben natürlich genug Geld, um ein Gourmetrestaurant zu besuchen. Die Frage ist, ob sie am Ende eines harten Arbeitstages wirklich ein mehrgängiges Gourmetmenü essen wollen oder nicht doch lieber etwas weniger Aufwändiges. Gleichzeitig bekam aber die Küche der Villa unter Küchenchef Christian Eckhart zwei Michelin-Sterne. Und da konnte es vorkommen, dass die Hausgäste doch lieber ins Zentrum von Königstein auswichen und ein italienisches Restaurant besuchten…. Wohlgemerkt: Das Problem ist nicht das Geld, das Problem ist, etwas zu haben, das flexibel zu den Bedürfnissen passt.

weiterlesen

Interview Björn Frantzén, Stockholm

Björn Frantzén vom Restaurant Frantzén in Stockholm ist der Neue in der noch kleinen Garde der skandinavischen Drei-Sterne-Köche und gleichzeitig der erste Schwede, der diese Auszeichnung bekommen hat. Sie trifft einen Koch, der längst zu den einflussreichsten seiner Zunft gehört und auffällig häufig von Kollegen aus aller Welt besucht wird. Frantzén ist mittlerweile Herr über … weiterlesen

„Rot“ von Günther Jauch ist nicht nur ein schlechter Wein, sondern könnte auch das Aldi-Image beschädigen

Foto: Aldi

Prolog
Bei Aldi kaufen nicht nur Besitzer von teuren Geländewagen ein, die am Essen sozusagen um jeden Preis sparen wollen. Bei Aldi kaufen auch Leute ein, die nicht viel Geld haben, aber durchaus die Vorstellung davon, dass es neben sehr schlichten und industriellen auch gute Produkte gibt, die deutlich besser schmecken. Ganz auf der aktuellen Linie der Discounter (die ja versuchen, das kulinarische Niveau ihres Angebotes durch diverse Maßnahmen anzuheben) erhoffen sie sich das gute Preis-Leistungs-Verhältnis, also Produkte, die bei annehmbarem Preis zumindest einen Hauch von gehobener kulinarischer Qualität verströmen. Diese Hoffnungen werden bisweilen durchaus erfüllt – von dem ersten Aldi-Champagner bis zu den Sonderaktionen an Feiertagen. In diese Abteilung fallen auch diverse Weine von bekannten Weingütern, die – wie etwa die Weine von Fritz Keller – zurecht durchaus positive Beachtung gefunden haben. In diese Abteilung sollen wohl auch die beiden Weine von Günther Jauch fallen. Es sind keine Weine von seinem Weingut (von Othegraven), sondern Weine, die „ein exklusives Trinkerlebnis – nach den Qualitätsansprüchen von Günther Jauch“ möglich machen sollen.

weiterlesen

Die Kopisten verdrängen ihre Ideenlieferanten

In diesem Text werden auch ein paar Informationen verarbeitet, die üblicherweise nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden, sondern eher in Redaktionen und Marketing-Abteilungen. Es ist eine Situation eingetreten, die jetzt schon äußerst unerfreulich ist, aber jederzeit auch noch schlimmer werden kann. Gemeint ist das Vordringen des kulinarischen Mittelmaßes in den Medien, in Büchern, Zeitungen und Zeitschriften. Gemeint ist dabei vor allem, wie in der letzten Zeit die eigentlichen Ideengeber aller neuen Rezepturen (also vorwiegend die Köche aus der Spitzenküche) verdrängt werden und in den Medien (im weitesten Sinne) eine katastrophale Mischung aus Oberflächlichkeit und zunehmend blanker kulinarischer Banalität entsteht.

weiterlesen

Die Volksmeinung macht sich lächerlich

Die Bewertungs-Website Opinionated about dining (OAD), bei der im Prinzip jeder mitmachen kann, der sich registrieren lässt, hat ein weiteres Ranking veröffentlicht. In diesem Falle geht es um die „Top 100+ European Classical Restaurants 2018“, und es ist eine Liste entstanden, die die bisherigen Listen noch um einiges an bizarrem Inhalt übertrifft. Alles, was bei OAD erscheint, ist unter statistischen wie unter fachlichen Gesichtspunkten höchst problematisch und anscheinend vielen Zufällen ausgeliefert.

weiterlesen

Goût de France 2018 und ein Macron-Menü

Am heutigen Tag feiern die Franzosen wieder ihre französische Küche und das überall auf der Welt mit Menüs im französischen Stil, also so, wie sie als Weltkulturerbe geschützt worden sind. In vielen Ländern haben sich Köche diesen Aktionen angeschlossen, die aber international vor allem von den französischen Botschaften initiiert werden. Insgesamt nehmen 3000 Restaurants und … weiterlesen

Die Weinwelt braucht Bewegung!

Am Sonntag trafen sich am Stand des Weingutes Tesch auf der Pro Wein in Düsseldorf die drei Macher von www.eat-drink-think.de zu einem Gespräch zum Thema Riesling und „easy drinking“ und Terroir und wie man auch ein jüngeres Publikum begeistern kann. Es wurde eine durchaus oft kritische Bestandsaufnahme, in der viele Probleme und Defizite der Weinwelt … weiterlesen

Steuern hoch, Zucker runter?

Die Briten fangen schon mal an, haben das Problem aber anscheinend noch nicht ganz begriffen
Die Bemühungen um eine gesunde Ernährung sind in Großbritannien schon seit Jahren in einem recht konkreten Stadium. Das lag und liegt sicher nicht zuletzt an Jamie Oliver und z.B. seiner Kampagne für eine bessere Schulverpflegung. Welche Probleme es damit gab, konnte die ganze Welt an den Bildschirmen verfolgen: da gab es dann Mütter, die ihren armen, kleinen, „unterernährten“ Sprösslingen in der Pause noch schnell ein paar Snacks über den Zaun reichten.

weiterlesen

Anmeldung zum Newsletter