Telecaster

Ich war nicht immer so ein ruhiger und gelassener Typ – wussten Sie das? Natürlich nicht, woher auch, ich hatte es ja selbst schon beinahe vergessen. Neulich, da habe ich mich in meinen Keller gewagt, weil ich etwas holen musste. Ich erinnere mich nicht genau was es war, im Grunde spielt es auch keine Rolle, … weiterlesen

Ladybird

Sie war schon eine ganze Weile im Bad gewesen. Immer mal wieder ist sie herausgekommen – mal im Morgenrock, mal mit allerhand Werkzeug im Haar, mal im Bademantel, mal mehr, mal weniger gut gelaunt. Vielleicht hatte es damit zu tun, dass es Samstag war und sie bald zur Arbeit musste. Womöglich war es aber eher noch, dass ich im Gegensatz zu ihr nicht zur Arbeit musste. Immer wenn sie grimmig schauend aus dem Badezimmer kam, blickte ich wieder blitzschnell in das tiefe Schwarz meines Kaffeebechers und sagte nichts. Das hatte ich jedenfalls schon gelernt.

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Es geht ein Gespenst um in Deutschland…

Und wieder wird mit dem Gourmetrestaurant „Himmel un Äd“ im Kölner Hotel Wasserturm ein Restaurant mit Spitzenküche geschlossen. Die Meldungen von solchen und ähnlichen Aktionen häufen sich und kommen im Moment quasi wöchentlich. Wo ist das Problem? Läuft Spitzenküche in Deutschland im Moment nicht mehr? Ist sie in einem Zustand angekommen, in dem sie nicht mehr läuft? Machen die Köche die Fehler? Oder vielleicht die Gastronomen? Man sollte sich zu einer realistischen Sicht durchringen – auch wenn diese Sicht den Optimismus bremsen könnte. Ein paar Dinge waren abzusehen, und es gibt eine ganze Reihe von Kennern der Szene, die frühzeitig auf kommende Probleme hingewiesen haben. Hier ein paar Punkte: 

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Old-Timer

Immer wenn sich die ersten richtigen Sonnenstrahlen des Jahres blicken lassen, muss ich an meine Kindheit denken. Ich erinnere mich daran, wie sehr ich mich darüber gefreut habe, wenn ich endlich wieder mit meinen Freunden draußen spielen und herumtollen konnte. Wenn ich an früher denke, dann kommt mir unweigerlich das Bild des rostroten Opel Kadett … weiterlesen

Casual Fine Dining konkret: Sebastian Prüßmanns Perlhuhnbrust von Jean-Claude Mièral mit wildem Brokkoli, Strauchtomaten-Sugo und Morcheln

Prolog: Wenn ein Restaurant und seine potentiellen Gäste unterschiedliche Bedürfnisse haben
In der Villa Rothschild im Königsstein im Taunus hat sich kulinarisch etwas abgespielt, das so oder ähnlich viele Hotelmanager oder -besitzer beschäftigt. Im Grunde geht es darum, dass auch eine sehr gute Küche im besten Sinne „nützlich“ sein muss, und dass sie Probleme produziert, wenn sie am Bedarf des Publikums vorbeiarbeitet.
Die Villa Rothschild ist ein vergleichsweise kleines, exklusives Hotel mit nur 22 Zimmern. Typisch ist während der Wochentage eine Belegung mit Geschäftsleuten der Geschäftsführungsebene. Solche Gäste haben natürlich genug Geld, um ein Gourmetrestaurant zu besuchen. Die Frage ist, ob sie am Ende eines harten Arbeitstages wirklich ein mehrgängiges Gourmetmenü essen wollen oder nicht doch lieber etwas weniger Aufwändiges. Gleichzeitig bekam aber die Küche der Villa unter Küchenchef Christian Eckhart zwei Michelin-Sterne. Und da konnte es vorkommen, dass die Hausgäste doch lieber ins Zentrum von Königstein auswichen und ein italienisches Restaurant besuchten…. Wohlgemerkt: Das Problem ist nicht das Geld, das Problem ist, etwas zu haben, das flexibel zu den Bedürfnissen passt.

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Poor Fool

Es gibt zwei Dinge, an denen ich ausmachen kann, dass es Frühling wird. Erstens, es wird mir immer öfter zu warm in der Jacke, sei es auch nur eine leichte aus Jeansstoff. Ich fange schon bei den alltäglichsten Arbeiten darin zu schwitzen an und fühle mich unwohl. Diese Erkenntnis kann sich in diesem schönen Land oft als Trugschluss herausstellen. Oft, wenn die Jacke gerade mit anderen Winterklamotten im Keller gelandet ist, weil man der Meinung war, dass es nun wärmer werden würde, schlägt uns das Wetter ein Schnippchen und es wird noch ein letztes Mal und auf einen Schlag so bitterkalt, dass wir wieder in den Keller müssen (und ich glaube, dass ich den Zustand meines Kellers bereits an der ein oder anderen Stelle erwähnte), um den Krempel für eine letzte Woche voller Kälte wieder hochzuholen. Der zweite Hinweis ist dahingehend etwas zuverlässiger. Es kommt öfter vor, dass ich mit meiner Lebensgefährtin – wir sind beide hingebungsvolle Barflies – einen Spaziergang von der letzten Bar nach Hause mache. Dabei spielt es gar keine große Rolle, wie weit entfernt diese Bar ist, es geht um die Zeremonie selbst. Man kann sich noch etwas die Beine vertreten, ich meinen letzten Old Fashioned und sie ihren letzten Gimlet etwas sacken lassen und die Stille und Zweisamkeit nutzen, um einige Passagen aus der „Rocky Horror Picture Show“ zu rezitieren. Und ich glaube wir alle wissen, was ich mit „rezitieren“ an dieser Stelle meine. Nun kommen wir zurück zu meinem Frühlingsbarometer. Wenn ich feststelle, dass nicht nur sie und ich den frühen Morgen mit unserem Gesang begrüßen, sondern auch unsere kleinen Freunde in den Bäumen zirpen und zwitschern, dann meine lieben Leser, hat für mich der Frühling begonnen. Bevor ich allerdings meinen dieswöchigen Cocktail vorstelle, möchte ich eine meiner Lieblingsanekdoten zum Thema Frühling zum Besten geben. Sie haben doch nichts dagegen, oder?

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Interview Björn Frantzén, Stockholm

Björn Frantzén vom Restaurant Frantzén in Stockholm ist der Neue in der noch kleinen Garde der skandinavischen Drei-Sterne-Köche und gleichzeitig der erste Schwede, der diese Auszeichnung bekommen hat. Sie trifft einen Koch, der längst zu den einflussreichsten seiner Zunft gehört und auffällig häufig von Kollegen aus aller Welt besucht wird. Frantzén ist mittlerweile Herr über … weiterlesen

O Porto

Ich möchte mich mit Ihnen über das Thema „Gemütlichkeit“ unterhalten. Ja, genau, mit Ihnen! Es ist beinahe so wie mit den Zeugen Jehovas – nur andersherum. Sie stehen vor meiner Haustüre und ich bitte Sie herein, weil ich mich mit Ihnen austauschen möchte, über die verschiedenen Definitionen von Gemütlichkeit. Ich halte Ihnen die Türe auf … weiterlesen

„Rot“ von Günther Jauch ist nicht nur ein schlechter Wein, sondern könnte auch das Aldi-Image beschädigen

Foto: Aldi

Prolog
Bei Aldi kaufen nicht nur Besitzer von teuren Geländewagen ein, die am Essen sozusagen um jeden Preis sparen wollen. Bei Aldi kaufen auch Leute ein, die nicht viel Geld haben, aber durchaus die Vorstellung davon, dass es neben sehr schlichten und industriellen auch gute Produkte gibt, die deutlich besser schmecken. Ganz auf der aktuellen Linie der Discounter (die ja versuchen, das kulinarische Niveau ihres Angebotes durch diverse Maßnahmen anzuheben) erhoffen sie sich das gute Preis-Leistungs-Verhältnis, also Produkte, die bei annehmbarem Preis zumindest einen Hauch von gehobener kulinarischer Qualität verströmen. Diese Hoffnungen werden bisweilen durchaus erfüllt – von dem ersten Aldi-Champagner bis zu den Sonderaktionen an Feiertagen. In diese Abteilung fallen auch diverse Weine von bekannten Weingütern, die – wie etwa die Weine von Fritz Keller – zurecht durchaus positive Beachtung gefunden haben. In diese Abteilung sollen wohl auch die beiden Weine von Günther Jauch fallen. Es sind keine Weine von seinem Weingut (von Othegraven), sondern Weine, die „ein exklusives Trinkerlebnis – nach den Qualitätsansprüchen von Günther Jauch“ möglich machen sollen.

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