Die neue Ausgabe des Guide Michelin für Frankreich ist die erste unter dem neuen Chef, dem 38-jährigen Gwendal Poullennec. Er ist Zögling einer renommierten Business-Schule und war schon für die Ausweitung der Michelin-Aktivitäten in den USA und in Asien verantwortlich. Man sollte das erwähnen, weil man mit den neuen Bewertungen für Frankreich verstärkt den Eindruck gewinnen kann, der Führer sei ein vor allem absatzorientiertes Business-Modell und keine kulinarische Instanz. Mit der Abwertung von drei wichtigen Drei-Sterne-Köchen und der gleichzeitig massenhaften Verteilung von neuen Auszeichnungen (68) im 1-Sterne-Bereich wird der Guide vor allem in Frankreich wieder zum Tagesgespräch werden. Wenn das das Ziel war, ist es gelungen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob man bei dieser PR-Aktion nicht die Qualität der Bewertungen aus dem Auge verloren hat.
Das Bonus – Malus – System. Oder: Wie man viele Probleme der Restaurantführer lösen könnte.
Teil 2: Praktischer werden! Wenn man sich die Texte der Restaurantführer ansieht, muss man sich eigentlich darüber wundern, wie wenig sie tun, um Leser und Restaurants zusammenzubringen. Müsste es nicht die erste Aufgabe sein, die Leser mit exakt den Restaurants zusammenzubringen, in denen sie sich am wohlsten fühlen? In denen das Essen so ist, wie … Weiterlesen






Die Arbeit von Kobe Desramaults ist oft sehr unterschiedlich aufgenommen worden. Für eher klassisch ausgebildete und orientierte Köche war er mit seinen minimalistischen Gerichten eher ein Un-Koch, für viele andere – vor allem auch internationale Feinstschmecker – aber immer ein Kochkünstler mit vielen genialen Momenten. Sein ehemaliges Restaurant „In de Wulf“ lag ein gutes Stück abseits der touristischen Routen, „mitten in der Prärie“ und hatte die Anmutung eines niederländisch-flämischen Bio-Restaurants. Kobe Desramaults wollte diese Erfahrung schon vor längerer Zeit beenden und u.a. einmal ein Jahr lang die Welt bereisen und kulinarisch für sich erforschen. Der steigende Erfolg hielt ihn dann aber doch davon ab.
Die Reaktionen auf die 1200 Euro, die Franck Ribéry für ein mit Blattgold überzogenes Steak ausgegeben hat, waren vorhersehbar und vorschnell – wie in solchen Fällen rund um kulinarische Höchstpreise üblich. Hatte nicht neulich Ribéry-Kollege Christiano Ronaldo für zwei Flaschen Wein 31.000 Euro bezahlt? Da sind die 1.200 Euro für ein Steak mit Blattgold ja geradezu noch ein Schnäppchen. Kulinarisch sinnvoll ist der Gold-Überzug natürlich nicht. Das braucht man eigentlich kaum zu erwähnen. Teure Innenausstattungen von Luxusrestaurants sind das allerdings auch nicht unbedingt, und ob man mehrere Service-Kräfte braucht, um ein paar Teller an einem Tisch zu servieren, ist auch ein klein wenig fraglich. Für 1.200 Euro kann man auch – sagen wir: die ganze Familie auf besten Plätzen zu einem Helene Fischer-Konzert mitnehmen oder 1 ½ Personen zur Silvesterfeier auf dem von Alain Ducasse betreuten Seine-Schiff in Paris. Oder: Vier Personen bei Wissler im „Vendôme“ haben schnell 1.200 Euro verbraucht und bei Alain Passard im L’Arpège in Paris kommt man beim Menü „Terre et Mer“ mit etwas Wasser und Wein pro Person schnell auf 600 Euro. Wenn eine klare kulinarische Leistung dahinter steckt, kann es also auch ohne Blattgold schon mal teuer werden.
